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RESPEKT FÜR ANDERE

VIELFALT

Wenn man aufmerksam durch die Welt geht - und dabei nicht dem Reduktionismus verfällt - kann man nicht umhin festzustellen, daß die Worte "identisch" und "homogen" sich auf leere Klassen beziehen.

Wohin man blickt: nichts als Verschiedenheit und Vielfalt. Es gibt keine homogenen Gesellschaften. Auch keine homogenen Kulturen. Beides ist unmöglich - jeder Mensch ist einzigartig.

Demokratie

Demokratie unterscheidet sich von anderen Staatsformen dadurch, daß sie auf dem Verfassungsprinzip beruht, daß alle Staatsbürger vor dem Gesetz gleich sind - wodurch immer sie sich sonst unterscheiden mögen. Durch die Menschenrechte werden alle Menschen in der Kreis der Gleichen aufgenommen.

"All different, All equal" - das Motto einer Kampagne des Europarats - wird von vielen geteilt, aber sicherlich nicht von allen.

Meinungsbildung hält sich nicht an Gesetze. Auch nicht an Logik. Sie funktioniert wie das Lernen im Alltag.

LERNEN

Lernen ist ein Prozeß der Verkörperlichung von Erfahrung, in welchem das Gehirn - während das Individuum mit seinem Umfeld interagiert - die aufgenommenen und selbstgenerierten Stimuli verarbeitet. Da die Erfahrungen von Menschen einzigartig sind, ist es auch ihre Lerngeschichte. {Link coordinator/2000_learning.htm}

Menschen lernen nicht nur, wenn sie beabsichtigen, etwas zu lernen. Vieles von dem, was wir lernen, entwickelt sich, wenn wir dies, das oder jenes im Alltag erleben. Was man als soziales und kulturelles Wissen bezeichnen kann, wird überwiegend beim Erleben des Verhaltens anderer Menschen gelernt. Auch die Sprache.

Große Teile des Wissens, das in die Interpretation der Erfahrungen Einzelner eingeht, entstehen auf diese Weise. Das Gehirn scheint so zu arbeiten, daß ähnliche Erfahrungen - jede davon einmalig und unwiederholbar - tendenziell dominante Muster mitaktivieren. Trotz solcher Dominanzen entstehen oft Dissonanzen, da wir über eine Unzahl verschiedener Erfahrungen verfügen.

Die andere Seite der Medaille ist, daß etwas, was wir nicht selbst (in unserer realen Umwelt oder virtuell z.B. über Fernsehen oder Lesen) erfahren oder selbst entwickelt haben, uns auch nicht für Neukombination zur Verfügung steht.

RESPEKT FüR ANDERE

Die Schlüsseleinstellung für das Leben in einer Demokratie ist der Respekt für Andere - dafür, daß andere Menschen sich von uns unterscheiden, daß sie sich anders verhalten und andere Werte haben. Zu dieser demokratischen Grundeinstellung gehört, daß solche Unterschiede nicht zum Anlaß genommen werden, Andere wegen dieser Unterschiede aus dem "Wir" auszuschließen.

Diese Einstellung muß gezielt entwickelt und gefördert werden - wie Rechtschreiben oder Mathematik.

Aber wie macht man das ?

Besondere Anstrengungen sind erforderlich

Eines scheint klar zu sein. So leicht, wie die Vermittlung des Rechtschreibens geht das nicht. Auch diese ist nicht immer erfolgreich, obwohl der größte Teil der Texte, die Menschen lesen, kaum Rechtschreibfehler enthält.

Der Respekt für Andere und ihre Anerkennung als gleichwertig ist im wirklichen Leben von ungleich größerer Bedeutung als die Beherrschung der korrekten Rechtschreibung.

Gezielte Anstrengungen sowie die Entwicklung geeigneter Ansätze und konkreter Maßnahmen sind dringend erforderlich. Wenn Sie Ideen haben, wie man diesem Ziel - wenn auch nur um einen Schritt - näherkommen könnte, schreiben Sie uns unter: difference@vienna-thinktank.at

DIE WIENER DENK-WERKSTATT UND OTHERNESS

Alle größeren Projekte der "Wiener Denk-Werkstatt" zielen - über ihre je spezifischen Zielsetzungen hinaus - auch darauf ab, Ausschließungen jeder Art, die auf der Zuordnung Einzelner zu einer Gruppe basieren, entgegenzuwirken.

Sprache und Kultur auf der Basis einzigartiger Vorgänge erklären

Die Bemühungen, eine neue Synthese im Denken über Denken, Sprache und Kultur auf der Basis der Einzigartigkeit jedes Menschen, jeder menschlichen Erfahrung und jeder menschlichen Handlung zu entwickeln, zielen auch darauf ab, der Verdinglichung von Sprache und Kultur den Boden zu entziehen.

Wenn Kulturen verdinglicht werden, entstehen feste voneinander getrennte Einheiten - "unsere Kultur" und "ihre Kultur". Hat man im Denken einmal solche Konstrukte geschaffen, ist es sehr leicht, Menschen, die in einer anderen Kultur aufgewachsen sind, aus dem "Wir" dadurch auszuschließen, daß man sie "jener anderen Kultur" zuordnet - selbst wenn sie im gleichen Haus mit uns leben.

Wenn man Kulturen aber als Prozesse und Menschen als Träger von Kulturen denkt, die im jeweiligen Moment sich entsprechend des einen oder anderen - im Laufe ihres Lebens erlernten - Registers kultureller Verhaltensweisen verhalten, können Menschen, die dort leben, wo man auch selbst lebt, nicht mehr so leicht als ausschließlich "jener anderen Kultur" zugehörig interpretiert werden - sie sind dadurch, daß sie bei uns leben, und durch das, was sie dabei gelernt haben, auch Teil unserer eigenen Kultur geworden.

Selbst wenn es uns gelingt, ein solches Erklärungsschema zu entwickeln - und das ist sehr wahrscheinlich - wird es sich auf das Verhalten gegenüber Anderen wohl erst langfristig auswirken.

Aber es wird dadurch schwieriger, alle, die als "die Anderen" qualifiziert werden - oder solche Menschen, die einige Merkmale, eine Zugehörigkeit oder ein Bekenntnis gemeinsam haben - in einen Topf zu werfen und ihnen die gleichen positiven oder negativen Eigenschaften zuzuschreiben.

Language learning - and the acceptance of others

Wenn man eine zusätzliche Sprache lernt, erfährt man viel über eine andere Kultur, lernt die Arten und Weisen kennen, in der andere Menschen leben, wie sie denken und wie sie mit ihrer Welt umgehen.

In der Grundsituation jedes Fremdsprachunterrichts ist daher ein Potential enthalten, zum Verständnis und zum Respekt für Andere beizutragen. Soweit es um die jeweilige Zielsprache geht, wird dieses Ziel auch ein gutes Stück weit erreicht.

Beim Sprachenlernen lernt man nicht nur Anderes kennen, akzeptieren und schätzen. Durch den Erwerb der in anderen Sprachen angelegten Denkweisen, kann man auch Abstand von Selbstverständlichkeiten der eigenen Kultur gewinnen.

Es müßte daher - in demselben Prozeß, indem man die Sprache lernt - möglich sein, schrittweise die Einstellung zu entwickeln, daß Anderssein das Normale und nicht ein Auszugrenzendes ist. Dieses Potential des Sprachunterrichts ist bis heute völlig ungenützt.

Die Volkshochschule Brigittenau, Heimstätte der Wiener Denk-Werkstatt, hat Kurse in mehr als 60 Sprachen in ihrem Programm. Es kann daher alles, was ein Potential zur Erreichung dieses Zieles zu haben scheint, auch an Ort und Stelle getestet werden.

Wir suchen Partner, um dieses Potential des Sprachunterrichts weiterzuentwickeln. Wenn Sie glauben, zu einem gemeinsamen Prozeß etwas beitragen zu können, schreiben Sie uns unter: lingua@vienna-thinktank.at

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